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Beschreibung
Ein altes Verbrechen. Eine ruhelose Seele. Eine Liebe, die alles verändern könnte.
Nach einer schmerzhaften Trennung sucht die junge Architektin Emily in der idyllischen Kleinstadt Eelbrook einen Neuanfang. Zwischen alten Backsteinhäusern und grünen Wiesen findet sie nicht nur Ruhe – sondern auch Aidan, dessen Nähe sie stärker berührt, als sie erwartet hat. Doch bald zeigen sich dunkle Schatten hinter der friedlichen Fassade. Emily wird von fremden Erinnerungen heimgesucht – Bildern, Stimmen, Gefühlen, die nicht ihre eigenen sind. Die Spur führt zu einer Frau namens Alice, die vor fast neunzig Jahren unter mysteriösen Umständen ums Leben kam. Als Emily erkennt, dass Alices Seele in ihr gefangen ist – und sie Stück für Stück verdrängt – beginnt ein Wettlauf gegen die Zeit. Denn die Vergangenheit fordert ihren Preis …
Diese paranormale Romance ist ideal für Leser:innen, die neben einer tiefgehenden Lovestory auch Spannung und eine düstere Atmosphäre erwarten. Fesselnd, mysteriös und gleichzeitig romantisch – der perfekte Mix für alle Fans von Liebesgeschichten zum Mitfiebern.
Erste Leser:innenstimmen „Unglaublich spannend. Eine perfekte Mischung aus paranormaler Spannung und Liebe – genau so, wie ich es liebe!“ „Isabel Roderick hat hier einen ganz besonderen Roman geschaffen. Neben Liebe gibt es auch Mystery. Klare Empfehlung von mir.“ „Das Setting ist unglaublich gut geschrieben und ich konnte diesen paranormalen Liebesroman kaum aus der Hand legen.“ „Die Landschaft ist düster und atmosphärisch. Die Autorin weiß zudem, wie man authentische Charaktere schafft. Gänsehaut inklusive.“
Leseprobe
Prolog
Eelbrook Manor, Ostengland
Oktober 1945
Langsam stieg sie die verschmutzten Treppenstufen des verlassenen alten Hauses hinauf, und wie immer zog sie ihr linkes Bein nach. Auf dem Treppenabsatz im ersten Stock verharrte sie und sah zu der Tür am entfernten Ende des Korridors.
Seit jener Nacht vor vielen Jahren, in der Alice gestorben war, hatte niemand mehr das Zimmer betreten.
Kaum war ihr der Gedanke gekommen, glaubte sie, einen kühlen Lufthauch zu spüren. Sie fragte sich, ob es nur Einbildung war. Wie zur Antwort schwang langsam und knarrend die Tür des Zimmers auf. Im Inneren des Raums bewegte sich etwas, sie sah es durch den Türspalt: eine weibliche Silhouette, die leichtfüßig tanzte, und aus der Ferne ertönte ein helles Lachen.
Sie umschloss das Treppengeländer fest mit ihrer Hand. Es sind nur die Schatten der Zweige, die sich draußen im Wind bewegen, sagte sie sich. Es ist nur meine Fantasie, die mir einen Streich spielt.
Im zweiten Stock schloss sie die Tür zum ehemaligen Zimmer des Butlers auf. In der Ecke, von einer Staubschicht bedeckt, stand noch immer die alte Holztruhe, die sie vor Jahren dort versteckt hatte.
Keuchend kniete sie davor nieder und öffnete die Truhe. Sie nahm ihre alten Tagebücher heraus, blätterte in ihnen und überflog die Einträge.
»Unerträglich«, murmelte sie und riss nach und nach die Seiten heraus.
Am Boden der Truhe kam ein Schmucketui zum Vorschein. Sie erinnerte sich nicht, es hineingelegt zu haben. Als sie es öffnete, fand sie einen goldenen Ring darin, und bei genauerem Hinsehen entdeckte sie im Inneren eine Gravur:
Für George. In Liebe, A. 1925.
Es dauerte einen Moment, bis sie den Ring wiedererkannte. »Verflucht seist du«, sagte sie leise, erhob sich, nahm die herausgerissenen Seiten und machte sich auf den Weg nach draußen. Humpelnd gelangte sie zum Ufer des Baches, der am westlichen Rand des Grundstücks verlief.
Sie holte aus und schleuderte den Ring ins plätschernde Wasser. Dann riss sie die Tagebuchseiten in Stücke, warf sie hinterher und sah zufrieden zu, wie die Strömung die Papierfetzen davontrug.
KAPITEL 1
Eelbrook Manor, siebzig Jahre später
Anfang Oktober 2015
Wie eine schweigsame Präsenz ragte das alte Herrenhaus vor Emily auf. Ein Windstoß wirbelte ihr Blätter vor die Füße, und sie fröstelte. Vorsichtig stieg sie die breite Eingangstreppe hinauf. Zwischen Herbstlaub, Kieselsteinen und abgebrochenen Zweigen entdeckte sie verschmutzte Stufen, die vor vielen Jahren einmal weiß gewesen sein mochten. Auf halber Höhe blieb sie stehen und sah an der Hausfassade hinauf.
Die teils zerbrochenen, teils verbarrikadierten Fenster glichen leeren Augen, die auf sie herabzustarren schienen. Trotz seiner Wuchtigkeit und des herrschaftlichen Charakters wirkte das Haus überraschend schlicht. Offenbar ein gewolltes Understatement des Architekten, und Emily fand, dass es vor allem Kälte und Strenge ausstrahlte.
Die Flügeltür am Eingang des Hauses war durch ein rostiges Vorhängeschloss gesichert. Emily griff nach der Klinke und rüttelte vergeblich daran. Wie gern hätte sie das Haus von innen gesehen, aber das musste wohl noch etwas warten.
Am Nachmittag hatte sie in London ihre restlichen Habseligkeiten zusammengepackt. Irgendwie war es ihr gelungen, ihr Gepäck in den viel zu kleinen Kofferraum des roten, zehn Jahre alten Minis zu stopfen. Sie verließ die Stadt, fuhr an Feldern vorbei, auf denen sich Schafe tummelten. Die herbstliche Landschaft rauschte an ihr vorüber, dunkle Wolken türmten sich bedrohlich am Horizont auf. Nach zwei Stunden Fahrt war Emily schließlich erleichtert gewesen, als ihr Navi die Zeit bis zur Ankunft mit »5 Minuten« angekündigt hatte.
Und nun stand sie vor dem verlassenen Anwesen und fragte sich zum wiederholten Mal, ob sie den Verstand verloren hatte. Vielleicht würde sie hier eine Antwort auf diese Frage finden, doch sie war nicht sicher, ob die Aussicht sie hoffnungsvoll oder eher ängstlich stimmte.
Schließlich kehrte sie zu ihrem Auto zurück, stieg ein und fuhr in Richtung Ortskern. Unterwegs dachte sie an die letzte Unterhaltung mit ihrem Vater zurück. Lebhaft hatte sie seinen entsetzten Gesichtsausdruck vor Augen, als sie von ihrer Entscheidung erzählt hatte, ihre gut bezahlte Stelle in einem angesehenen Londoner Architekturbüro für eine mittelmäßig bezahlte auf dem Land aufzugeben.
»Wie kommst du ausgerechnet auf Eelbrook?«, hatte er wissen wollen. »Das liegt doch am Ende der Welt!«
»Nach der Sache mit Marc brauche ich Abstand«, erwiderte Emily. »Die neue Stelle kommt mir wie gerufen.«
»Du hättest dich von Anfang an nicht auf diesen Mann einlassen dürfen«, entgegnete ihr Vater. »Ich wusste gleich, das gibt nur Probleme. Und jetzt tust du das, was du immer tust: weglaufen! Ich kenne dich. Eelbrook wird nur ein weiterer Zwischenstopp für dich sein. Wie lange soll es noch so weitergehen, Emily? Wann wirst du dein Leben endlich in den Griff bekommen?«
Darauf hatte sie nichts mehr gesagt, denn sie war die immer gleichen Vorwürfe leid. Nach der Schule war sie für ein paar Jahre umhergereist, hatte hier und da gejobbt, ohne ein wirkliches Ziel zu verfolgen. Und da war ihr spezielles Problem, das sie seit ihrer Jugend verfolgte – der Grund, weshalb sie es nie lange irgendwo ausgehalten hatte.
Ihrem Berufswunsch zuliebe hatte sie das Nomadenleben irgendwann aufgegeben, sich allen Widrigkeiten zum Trotz durch ein Studium gekämpft und war Architektin geworden – wie ihr Vater. Sie liebte Architektur, trat mit ihrer Berufswahl in seine Fußstapfen und hatte gehofft, er wäre stolz auf sie.
Stattdessen erntete sie von ihm die gleiche Reaktion wie immer: Kopfschütteln, gepaart mit der Erwartung, dass sie scheitern würde. Egal, was sie in ihrem Leben tat, ihrem Vater würde es nie genügen. Inzwischen hatte sie sich damit abgefunden, dass sie es ihm nie würde recht machen können.
Eine zweispurige Straße führte sie vorbei an mannshohen grünen Hecken, hinter denen sich Cottages und Obstgärten verbargen. Emily wusste, dass ihre Entscheidung, hierherzuziehen, überstürzt gewesen war. Bis vor Kurzem noch hatte Trennungsschmerz ihren Verstand vernebelt, und aus dieser Stimmung heraus hatte sie beschlossen, dass sich etwas ändern musste. Nun, mit ein paar Wochen Abstand, sah sie die Dinge etwas nüchterner, aber es gab kein Zurück mehr. Ihr alter Job war gekündigt, den neuen würde sie morgen früh antreten.
Doch die Trennung von Marc war nicht der einzige Grund für ihren Job- und Ortswechsel, oder zumindest nicht der ausschlaggebende. Im Grunde war sie dem Gefühl gefolgt, das sie beim Anblick des Fotos in der Stellenanzeige ergriffen hatte.
Vor vielen Jahren war Emily schon einmal hier in Eelbrook gewesen. Damals, vor langer Zeit, als ihre Mutter noch gelebt hatte. Zu dritt hatten sie hier Urlaub gemacht und ein paar Tage auf dem Land verbracht, um dem städtischen Trubel zu entkommen. Nicht dass Emily sich daran erinnert hätte, denn zu dem Zeitpunkt war sie erst drei gewesen.
»In Eelbrook hat es dir überhaupt nicht gefall...
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